FDP NEUWIED IM DIALOG MIT DEM BUNDESTAGSABGEORDNETEN MARCEL KLINGE

Zu einem Online-Talk mit dem Titel „Restart Tourismus – Perspektiven schaffen“ hatte der Neuwieder Kreisverband der FDP eingeladen. Als hochkarätiger Gast beantwortete FDP-Bundestagsabgeordneter und Tourismusexperte Marcel Klinge viele spannende Fragen mit Blick nach Berlin. Weitere Gäste waren Gastronom Uwe Steiniger, Hotelfachmann Philipp Amberg sowie Oliver Grabus, der technische Leiter des Escape Room „66 Minuten“. 

Kreis Neuwied. Bereits seit mehreren Wochen fordert die FDP-Perspektiven für die verschiedensten Branchen, die derzeit zum Zwecke der Pandemieeindämmung geschlossen sein müssen. Ganz besonders hart getroffen ist der Tourismus-Sektor. FDP-Landtagskandidat Dennis Mohr stellte als Moderator viele spannende Fragen zur Lage sowie zur aktuellen Stimmung und wie eine mögliche Zukunft aussehen könnte.

Zum Beginn der Veranstaltung wollte Mohr wissen, wie die Lage in Berlin einen Tag vor der letzten Ministerpräsidentenkonferenz ist. MdB Marcel Klinge spricht von einer bedrückten Stimmung und verzweifelten Gastronomen und Hoteliers. Er bezeichnet die geplanten Lockerungen als einen Schlag in die Magengrube für die gesamte Branche. „Es ist Wahnsinn, was hier mit einer Branche mit über 3 Millionen Arbeitsplätzen gemacht wird. Ich bin enttäuscht und wütend, dass da nichts voran geht.“

Uwe Steiniger betreibt die Klostergastronomie Marienthal. Er erzählt von schlaflosen Nächten und Existenzängsten in der gesamten Branche. Im Hinblick auf eine mögliche Öffnung macht Steiniger sich besonders Sorgen um die Belegschaft in der Gastronomie. Viele von ihnen seien gezwungen, sich andere Beschäftigungen zu suchen. Das beträfe vor allem Aushilfen, aber auch gelernte Fachkräfte, die zum Teil sogar massiv abgeworben worden seien – zum Beispiel von Discountern. „Neue Auszubildende zu finden sei derzeit wegen der fehlenden Perspektiven nicht möglich. Von heute auf morgen öffnen, ist gar nicht so leicht“, meint Steiniger. „Wir müssen planen und brauchen eine Strategie. Wir können. Wir wollen. Lasst uns endlich öffnen.“

Philipp Amberg weist darauf hin, wie sicher Hotels in Bezug auf das Infektionsgeschehen seien. Er führt dabei eine Statistik des Robert Koch Instituts an, die aufzeigt, dass selbst private Zusammenkünfte im Freien ein höheres Risiko darstellen. Die Hotels hätten ihre Hausaufgaben gemacht und mit hervorragenden Hygienekonzepten dafür gesorgt, dass sie keinen nennenswerten Anteil am Infektionsgeschehen haben. „Das schlimmste aber ist die fehlende Perspektive, das macht uns wirklich hart zu schaffen“, stellt Amberg für die gesamte Hotel-Branche fest. „Wir gehen gerade auf das Oster-Geschäft zu und weder wir noch unsere Gäste wissen, ob Übernachtungen in den Hotels möglich sein werden. Wann sollen unsere Gäste denn buchen?“

Einig ist sich die Runde dabei, dass vor allem Umsatz nötig ist, um die Unternehmen zu retten. In der Zwischenzeit sollte aber zumindest die Wirtschaftshilfe das Weiterbestehen sichern. Doch die komme nur teilweise oder sogar gar nicht an. „Regelmäßig wird hier die Schuld auf die Länder geschoben“, weiß Dennis Mohr, der gerade im Wahlkampf hier in Rheinland-Pfalz fast täglich solche Vorwürfe hört. MdB Marcel Klinge hat für diese Aussage nur Kopfschütteln übrig. „Das ist wirklich der Bund, der da im Wesentlichen ganz viele Fehler macht. Die Länder können rein technisch erst so spät auf die Programme zugreifen, da kann man sicher nicht sagen, dass da jemand zu langsam ist.“

Von finanziellen Problemen und ausbleibenden Hilfen kann auch Oliver Grabus viel erzählen. Er ist der technische Leiter des Live Theater Adventure „66 Minuten“ in der Neuwieder Innenstadt. Dort können Kleingruppen Agentenabenteuer in unterschiedlichen Räumen spielen. „Viele unserer Gäste leben ohnehin in einem oder zwei Haushalten. Bei uns sind sie in Kleingruppen unterwegs. Nicht einmal unsere Outdoor-Missionen dürfen wir derzeit anbieten, weil unser Angebot mit Freizeitparks gleichgesetzt wird.“  Mehrfach habe sein Freizeitangebot kurz vor dem Aus gestanden und konnte nur mit viel Mühe und beherzten Helfern aufrechterhalten werden.

Das gemeinsame Fazit der Runde: Die Branche hat für die Pandemiebekämpfung geblutet und braucht dringend Perspektiven. FDP-Landtagskandidat Dennis Mohr fragte abschließend Marcel Klinge, woran es hängt. Marcel Klinge fasst das in einer Aussage zusammen: „Die Bundesregierung möchte einfach nicht, dass wir vor die Tür gehen.“ Diese grundsätzliche Strategie müsse sich ändern, denn die Argumente seien doch auf der Seite der touristischen Anbieter.

 

Den gesamten Online Talk können sich Interessierte auf der Facebook-Seite des FDP-Kreisverband Neuwied ansehen.